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6 Min. Lesezeit

SIS in der Pflege: Das Strukturmodell einfach erklärt

Pflegedokumentation schafft Sicherheit und Nachvollziehbarkeit, kann im Pflegealltag aber auch wertvolle Zeit beanspruchen. Genau hier setzt die SIS in der Pflege an: Die Strukturierte Informationssammlung (SIS®) erfasst die wesentlichen Informationen zur pflegebedürftigen Person und bildet die Grundlage für die weitere Pflegeplanung.

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Birte Rolff

Veröffentlicht: 27.08.2026
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • SIS und Strukturmodell sind nicht dasselbe: Die Strukturierte Informationssammlung ist das erste von vier Elementen des Strukturmodells.
  • Der Mensch steht an erster Stelle: Die SIS beginnt mit der Sicht der pflegebedürftigen Person – Pflege beginnt damit, zuzuhören.
  • Weniger Dokumentationsaufwand, mehr Aussagekraft: Das Strukturmodell konzentriert die Pflegedokumentation auf relevante Informationen. Im Berichteblatt stehen vor allem Abweichungen, Veränderungen und aktuelle Ereignisse im Fokus, statt unveränderte Routinen immer wieder neu zu dokumentieren.

Was ist SIS in der Pflege?

Die Strukturierte Informationssammlung ist das erste Element des Strukturmodells und bildet die Grundlage für eine personenzentrierte und ressourcenorientierte Pflegeplanung. Sie ist dabei mehr als ein Formular: In der SIS werden die Sichtweise beziehungsweise Selbsteinschätzung der pflegebedürftigen Person und die fachliche Einschätzung der Pflegefachperson zusammengeführt.

In der Regel wird die SIS zu Beginn der Versorgung erstellt – etwa bei der Aufnahme in eine stationäre Pflegeeinrichtung, bei einem ambulanten Pflegedienst sowie in der Tages- oder Kurzzeitpflege. Im Gespräch stehen zunächst die individuellen Wünsche, Bedürfnisse und die aktuelle Lebenssituation der pflegebedürftigen Person im Mittelpunkt.

Dabei können auch Angehörige oder andere Bezugspersonen einbezogen werden. Ergänzt um die fachliche Einschätzung und mögliche pflegerische Risiken entsteht ein umfassendes Bild der individuellen Situation. Auf dieser Grundlage können anschließend passende Maßnahmen geplant und im weiteren Pflegeprozess überprüft werden.

Weiterlesen: Alle Grundlagen rund um die Pflegedokumentation finden Sie in unserem Beitrag Dokumentation in der Pflege: Beispiele & Tipps für den Alltag .

Strukturmodell Pflege: Was ist der Unterschied zur SIS?

SIS und Strukturmodell werden häufig gleichgesetzt, bezeichnen aber nicht dasselbe. Das Strukturmodell Pflege ist das übergreifende Konzept für eine übersichtliche, personenzentrierte und nachvollziehbare Pflegedokumentation. Die SIS ist das erste von insgesamt vier Elementen und bildet den Einstieg in den vierphasigen Pflegeprozess.

Die vier Elemente bauen aufeinander auf:

  1. Strukturierte Informationssammlung (SIS): Sie bildet den Einstieg in den Pflegeprozess und erfasst die individuelle Situation, Bedürfnisse, Wünsche, Ressourcen sowie mögliche pflegerelevante Risiken.
  2. Individuelle Maßnahmenplanung: Aus den Erkenntnissen der SIS werden konkrete Maßnahmen für die individuelle Pflege und Betreuung abgeleitet.
  3. Berichteblatt: Hier werden vor allem Abweichungen vom Maßnahmenplan, akute Veränderungen und aktuelle Ereignisse dokumentiert. Unveränderte Routinen müssen nicht fortlaufend neu beschrieben werden.
  4. Evaluation: Die geplanten Maßnahmen werden gezielt überprüft und bei Bedarf an Veränderungen der Versorgungssituation angepasst. Bei gravierenden Veränderungen kann auch eine Aktualisierung der SIS erforderlich werden.

Das Strukturmodell ist damit mehr als ein einzelnes Dokument. Es verbindet Informationssammlung, Planung, Verlaufsdokumentation und Evaluation zu einem durchgängigen Pflegeprozess.

Fachliche Informationen: EinSTEP – Struktur und Funktionsweise des Strukturmodells

Passend dazu: Wie sich relevante Veränderungen und Ereignisse nachvollziehbar dokumentieren lassen, erfahren Sie im Beitrag Pflegebericht schreiben: Beispiele & Formulierungshilfen .

Die Themenfelder der SIS im Überblick

Die SIS erfasst die individuelle Situation einer pflegebedürftigen Person aus verschiedenen Perspektiven. Dazu gehören die persönlichen Anliegen, Wünsche und die eigene Sicht der pflegebedürftigen Person, die fachliche Situationseinschätzung der Pflegefachperson sowie mögliche pflegerelevante Risiken.

Für die fachliche Einschätzung betrachtet die SIS sechs Themenfelder:

  1. Kognition und Kommunikation, zum Beispiel Orientierung, Erinnerung und Verständnis
  2. Mobilität und Beweglichkeit, zum Beispiel Sitzen, Gehen oder die selbstständige Fortbewegung
  3. Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen, zum Beispiel Medikation, Schmerzen oder Therapiemaßnahmen
  4. Selbstversorgung, zum Beispiel Körperpflege sowie Essen und Trinken
  5. Leben in sozialen Beziehungen, zum Beispiel Tagesgestaltung, Beschäftigung und soziale Kontakte
  6. Je nach Versorgungsform Haushaltsführung beziehungsweise Wohnen und Häuslichkeit: Im ambulanten Bereich wird die Haushaltsführung als sechstes Themenfeld berücksichtigt, im stationären Bereich Wohnen und Häuslichkeit.

Gut zu wissen: Die ersten fünf Themenfelder gelten für die ambulante und stationäre Pflege gleichermaßen. Nur das sechste Themenfeld unterscheidet sich je nach Versorgungsform: ambulant wird die Haushaltsführung betrachtet, stationär Wohnen und Häuslichkeit.

Ergänzend erfolgt die Einschätzung möglicher pflegerelevanter Risiken. Entscheidend ist dabei nicht, ein starres Schema abzuarbeiten. Die SIS soll die individuelle Situation nachvollziehbar abbilden und die Perspektive der pflegebedürftigen Person mit der fachlichen Einschätzung verbinden.

Neben dem inhaltlichen Aufbau trägt auch die Gesprächsführung zu einer aussagekräftigen SIS bei. Eine strukturierte Vorbereitung hilft der verantwortlichen Pflegefachperson dabei, bereits vorliegende Informationen im Blick zu behalten und gleichzeitig genügend Raum für die Sicht der pflegebedürftigen Person zu lassen. Ein ungestörtes Gespräch in vertrauensvoller und respektvoller Atmosphäre ist besonders wichtig, wenn persönliche oder intime Themen angesprochen werden.

Auch die Formulierung der Einträge spielt eine wichtige Rolle: Sie sollte klar, wertfrei, verständlich und fachlich nachvollziehbar sein. Wesentliche Äußerungen der pflegebedürftigen Person können im Originalton festgehalten und anschließend in die fachliche Einschätzung einbezogen werden.

Warum es die SIS gibt – Entbürokratisierung der Pflege

Das Strukturmodell entstand im Rahmen der bundesweiten Bemühungen um eine Entbürokratisierung in der Pflege. Ziel war nicht, lediglich mehrere Formulare durch ein einzelnes neues Dokument zu ersetzen. Vielmehr sollte die Dokumentationspraxis stärker auf das Wesentliche und die individuelle Versorgungssituation ausgerichtet werden.

Damit rückten die individuelle Lebenssituation, Wünsche und Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person sowie die fachliche Einschätzung der Pflegefachperson stärker in den Mittelpunkt. Die SIS bildet dafür den Einstieg. Auf ihrer Grundlage werden individuelle Maßnahmen geplant; im Berichteblatt werden insbesondere Abweichungen, Veränderungen und aktuelle Ereignisse dokumentiert. So soll die Pflegedokumentation aussagekräftig und nachvollziehbar bleiben und gleichzeitig Entlastung im Pflegealltag schaffen.

Mehr zu guter Dokumentationspraxis: Welche grundlegenden Anforderungen eine gute Dokumentation erfüllen sollte, lesen Sie in unserem Beitrag 5 Grundsätze der Pflegedokumentation .

Seit Juli 2026 ist die Qualitätsprüfung ambulanter Pflege- und Betreuungsdienste stärker auf die Ergebnisqualität ausgerichtet. Dabei werden verschiedene Informationsquellen berücksichtigt: Fachlich plausible und nachvollziehbare Angaben der Mitarbeitenden sind der schriftlichen Dokumentation nicht nachgeordnet. Eine einseitig auf die Dokumentation ausgerichtete Prüfung soll vermieden werden.

Fehlen einzelne Einträge in der Pflegedokumentation, reicht dies allein nicht aus, um ein Qualitätsdefizit nachzuweisen. Grundlegende Dokumentationsanforderungen – insbesondere an die individuelle Maßnahmenplanung – bleiben davon unberührt.

Mehr zu den neuen Prüfanforderungen: Welche Änderungen die QPR 2026 für ambulante Pflege- und Betreuungsdienste mit sich bringen und was sie für die Pflegedokumentation bedeuten, lesen Sie in unserem Beitrag QPR 2026 und Pflegedokumentation in der ambulanten Pflege .

Quelle und weitere Informationen: Medizinischer Dienst Bund – Qualitätsprüfungen ambulante Pflege

SIS digital dokumentieren – mit weniger Aufwand

Die klar strukturierte SIS erleichtert den Einstieg in die Pflegedokumentation bei der Aufnahme einer pflegebedürftigen Person. Trotzdem ist der zeitliche Aufwand für eine sorgfältige, gut lesbare und fachlich nachvollziehbare Dokumentation nicht zu unterschätzen.

Digitale Pflegedokumentation kann Pflegefachpersonen dabei unterstützen, Informationen direkt dort zu erfassen, wo sie entstehen. myneva.care setzt dafür unter anderem auf eine integrierte, KI-gestützte Spracheingabe: Beobachtungen und relevante Informationen können direkt am Einsatzort eingesprochen und mit angebundenen myneva-Softwarelösungen synchronisiert werden. Dadurch lassen sich zusätzliche Übertragungsschritte und Doppelerfassungen reduzieren.

Auch mehrsprachige Teams werden unterstützt. Pflegefachpersonen können in ihrer Muttersprache dokumentieren; myneva.care übersetzt aus 99 Sprachen in die Sprache der Einrichtung – inklusive Dialekterkennung. Die Daten werden DSGVO-konform in Deutschland verarbeitet, bei der Übertragung SSL-verschlüsselt und ausschließlich in der EU gespeichert.

Dadurch sinkt der manuelle Dokumentationsaufwand und Fachkräfte sparen bis zu eine Stunde Zeit pro Schicht.

Weiterführend: Mehr zu den Möglichkeiten und Vorteilen digitaler Lösungen erfahren Sie in unserem Beitrag Digitale Pflegedokumentation .

Gute Dokumentation dank guter Werkzeuge

Gute Pflegedokumentation ist klar, aussagekräftig und nachvollziehbar – und sollte im Arbeitsalltag nicht mehr Zeit beanspruchen als nötig. Die SIS und das Strukturmodell schaffen dafür einen Rahmen, der die individuelle Situation der pflegebedürftigen Person und die fachliche Einschätzung der Pflegefachperson in den Mittelpunkt stellt.

Digitale Werkzeuge können zusätzlich dazu beitragen, den Dokumentationsaufwand zu reduzieren. Mit myneva.care können Pflegefachpersonen relevante Informationen direkt per Sprache erfassen und ohne unnötige Zwischenschritte in die Pflegedokumentation übertragen. So lassen sich die Grundgedanken von SIS und Strukturmodell auch digital umsetzen. Die gewonnene Zeit kann stärker der eigentlichen Versorgung zugutekommen.

Mehr Zeit für die Pflege gewinnen

Sie möchten noch mehr Zeit bei der täglichen Pflegedokumentation sparen? Entdecken Sie in unserer kostenlosen Checkliste „9 Wege, wie Pflegekräfte 1 Stunde pro Schicht einsparen können“ konkrete Möglichkeiten, den Verwaltungsaufwand im Pflegealltag zu reduzieren.

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