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Digitalisierung im Sozialwesen: Was jetzt wirklich zählt

Die Digitalisierung im Sozialwesen ist angekommen. Dennoch stehen viele Einrichtungen am Anfang. Was Einrichtungen jetzt wirklich brauchen und wie digitale Lösungen im Alltag entlasten, erklärt Sascha Platen, Head of Consulting DACH bei myneva, im Gespräch.

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Vanessa Gerdung

Veröffentlicht: 09.04.2026
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Digitalisierung ist angekommen und längst nicht ausgeschöpft: Viele Einrichtungen arbeiten bereits mit digitalen Tools, stehen jedoch erst am Anfang. Das volle Potenzial wird bislang nur zu einem kleinen Teil genutzt.

  • Zentrale Hürden bremsen den Fortschritt: Finanzierungsdruck, fehlende Orientierung im Anbietermarkt und komplexe Insellösungen erschweren eine nachhaltige Digitalisierung im Alltag.

  • Digitalisierung wird zur entscheidenden Zukunftsfrage: Mit Blick auf den Fachkräftemangel und die Strategie bis 2028 ist klar: Ohne konsequente Digitalisierung droht eine strukturelle Überlastung des Systems.

Sascha

Über unseren Experten  

Sascha Platen ist Head of Consulting DACH und Interim Country Lead Germany bei der myneva Group GmbH. Seit über 15 Jahren begleitet er Pflegeeinrichtungen und Kliniken bei der Einführung digitaler Lösungen und greift als Gründer, Investor und Beirat mehrerer Unternehmen im Gesundheitswesen auf umfassende Erfahrung entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Pflege zurück. 

 

Digitalisierung im Sozialwesen: Wo stehen Einrichtungen heute? 

Die Digitalisierung ist im Sozialwesen angekommen, dennoch stehen viele Einrichtungen noch am Anfang. Laut der myneva Trendstudie Pflege & Soziales 2025 arbeitet knapp die Hälfte der Fachkräfte heute in teilweise digitalen Strukturen, nur 18,6 Prozent verfügen über ein vollständig digitales, mobiles Arbeitsumfeld. Gleichzeitig wünschen sich viele Fachkräfte digitale Unterstützung in der täglichen Betreuung.  

Im regelmäßigen Kontakt mit Einrichtungen sieht Sascha Platen, dass sich viele auf den Weg machen: „Vor fünf Jahren hatten viele Einrichtungen nicht einmal flächendeckend Internet“, sagt er. Heute sind Tablets in der Dokumentation, digitale Tourenplanung oder sensorbasierte Sturzerkennung vielerorts etabliert. Auch in der Kommunikation im Gesundheitswesen hat sich viel verändert: „Früher musste man Dokumente ausdrucken und mitgeben. Dank Telematikinfrastruktur (TI) kann perspektivisch alles digital übermittelt werden.“

Und dennoch ist das erst der Anfang. „Wir stehen vielleicht bei 20 bis 25 Prozent der möglichen Wegstrecke“, sagt Sascha Platen. Der nächste Entwicklungsschritt besteht darin, Dokumentation nicht nachgelagert, sondern per Spracheingabe direkt am Einsatzort zu erfassen. Ebenso dringend sind digitale Kommunikationswege. „Ich habe schon Pflegeheime gesehen, in denen Mitarbeitende über Facebook Messenger miteinander schreiben. Das ist natürlich weder datenschutzkonform noch besonders praxistauglich”, so Sascha Platen.

Das bislang ungenutzte Potenzial liegt aus seiner Sicht im konsequenten Einsatz digitaler Assistenzsysteme, die im Hintergrund mitlaufen und Fachkräfte im Arbeitsalltag entlasten.  

 

 „Von einem Gedanken müssen wir uns verabschieden: Ich glaube nicht, dass Bürokratie weniger wird.“ 

Sascha Platen 

 

Zwischen Aufbruch und Überforderung: Die zentralen Hürden für Einrichtungen 

Trotz vorhandener digitaler Lösungen und wachsender Offenheit gegenüber der Digitalisierung bleibt der Weg dorthin anspruchsvoll. In der Praxis beobachtet Sascha Platen vor allem drei zentrale Hürden:

  • Finanzierung: 

    Viele Einrichtungen stehen unter wirtschaftlichem Druck. Steigende Löhne und begrenzte Budgets lassen wenig Spielraum für Investitionen in digitale Infrastruktur. Digitalisierung wird dadurch häufig als zusätzlicher Kostenfaktor betrachtet und nicht als strategische Zukunftsinvestition. 

  • Fehlende Orientierung: 

    Der Markt digitaler Anwendungen wächst rasant. Es gibt eine Vielzahl an Softwareangeboten und Einzellösungen mit teilweise erheblichen Qualitätsunterschieden. Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sind häufig überfordert und stehen vor der Herausforderung, passende, nachhaltige Lösungen zu identifizieren. 

  • Zunehmende Systemkomplexität:

    Statt ganzheitlicher Plattformen entstehen häufig Insellösungen. Prozesse werden digital abgebildet, aber nicht integriert gedacht. Unterschiedliche Systeme und fehlende Schnittstellen erhöhen den Koordinationsaufwand und sorgen für zusätzlichen Mehraufwand durch Teildigitalisierung. 

 

2028 als Wendepunkt: Welche Bedeutung hat die neue Digitalisierungsstrategie?

Mit der neuen Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen setzt die Bundesregierung auf einen konsequenten Ausbau der Telematikinfrastruktur, die stärkere Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Versorgungsprozesse sowie auf finanzielle Förderinstrumente zur Umsetzung in Einrichtungen. Digitalisierung soll damit nicht länger optional, sondern struktureller Bestandteil der Pflege werden. 

Für Sascha Platen ist dieser politische Vorstoß mehr als eine Reformankündigung: „Das ist aus meiner Sicht unser letzter Aufschlag – und eines der sinnvollsten Dinge, die ich bisher gesehen habe.“ In den vergangenen zehn Jahren sind Löhne erhöht, Strukturen angepasst und ambulante Modelle gestärkt worden – der Fachkräftemangel besteht jedoch weiterhin. „Die einzige Lösung, die uns noch bleibt, ist Digitalisierung.“, so Sascha Platen. 

Das Zieljahr 2028 ist dabei kein Zufall. Schon heute sind viele Pflegekräfte über 55 Jahre alt, in den kommenden Jahren steht ein massiver altersbedingter Personaleinschnitt bevor. „Gelingt es bis 2028 nicht, Prozesse konsequent zu digitalisieren und effizienter zu gestalten, droht dem System eine strukturelle Überlastung, die kaum noch aufzufangen ist“. 

Gleichzeitig zeigen Praxisbeispiele, dass Digitalisierung Wirkung entfalten kann. Sascha Platen berichtet von Einrichtungen, die durch den Einsatz digitaler Lösungen Krankheitsausfälle kompensieren und Überstunden der Belegschaft deutlich reduzieren konnten. Wird Digitalisierung konsequent umgesetzt, besteht eine realistische Chance, auch unter verschärften Rahmenbedingungen mit der vorhandenen Anzahl an Beschäftigten in der Versorgung handlungsfähig zu bleiben. 

 

Empfehlungen aus der Praxis: Was für Einrichtungen jetzt entscheidend ist

Der strategische Rahmen ist gesetzt, entscheidend ist nun die Umsetzung in den Einrichtungen. Aus Sicht von Sascha Platen geht es dabei weniger um zusätzliche Projekte als um ein klares Verständnis von Digitalisierung: Sie soll entlasten, nicht überfordern. 

 

Das können Einrichtungen jetzt tun: 

  • Auf Prozessintegration achten 

    Entscheidend bei der Einführung digitaler Systeme ist, Lösungen so auszuwählen und zu implementieren, dass sie sich nahtlos in bestehende Abläufe einfügen. Dadurch lässt sich Mehraufwand durch Insellösungen und Medienbrüche vermeiden. 

  • TI aktiv nutzen 

    Die TI ist mehr als eine gesetzliche Vorgabe – sie bildet die Grundlage für eine vernetzte Versorgung. Einrichtungen, die konsequent angebunden sind, profitieren von sicherem Datenaustausch, schnelleren Prozessen und einer strukturellen Einbindung in das digitale Gesundheitswesen. 

  • Offenheit für Künstliche Intelligenz (KI) entwickeln 

    Richtig eingesetzt kann KI Routineaufgaben übernehmen und den Arbeitsalltag erheblich entlasten. Insbesondere bei der Dokumentation per Spracheingabe sieht Sascha Platen großes Potenzial, Zeit zu sparen und Prozesse effizienter zu gestalten. 

  • Zeit als zentrale Kennzahl definieren 

    Jede Digitalisierungsentscheidung sollte sich an einer einfachen Frage messen lassen: Spart sie spürbar Zeit im Pflegealltag? 

 

Wie unterstützt myneva Einrichtungen als strategischer Digitalisierungspartner? 

In einem Markt mit vielen Anbietern digitaler Lösungen zählt für Sascha Platen nicht, wer die meisten Funktionen bietet, sondern wer spürbare Entlastung schafft. Daran misst sich myneva: an jeder eingesparten Minute.

Über Jahre hinweg waren Pflegekräfte vor allem damit beschäftigt, ein System zu bedienen, das von Bürokratie und Überlastung geprägt ist. Die digitalen Assistenten von myneva setzen deshalb dort an, wo konkret Zeit verloren geht – etwa in der Dokumentation oder in der Kommunikation mit Angehörigen. Voraussetzung dafür ist eine durchgängige Prozessintegration. myneva setzt auf vernetzte Strukturen, in denen Systeme nahtlos ineinandergreifen und spürbare Entlastung im Arbeitsalltag schaffen.

Für Sascha Platen ist die Rolle von myneva klar: „Jede Minute, die wir einsparen können, ist wertvoll – damit Fachkräfte das tun können, weshalb sie ihren Beruf gewählt haben“.

 

„Mit jeder eingesparten Minute stärken wir die intrinsische Motivation der Pflegekräfte.“ 

Sascha Platen 

 

Ausblick: Wie könnte das Sozialwesen in drei bis fünf Jahren aussehen?

Fest steht: Die nächsten Jahre werden zum Belastungstest für das System. Der demografische Druck steigt, zugleich wachsen die Anforderungen an Qualität und Dokumentation.

Damit persönlich Pflege auch in drei bis fünf Jahren noch stattfinden kann, müssen Einrichtungen jetzt handeln. Konsequent umgesetzte Digitalisierung entlastet Fachkräfte und erhöht die Wahrscheinlichkeit, sie im Beruf zu halten. Gleichzeitig steigert sie die Attraktivität des Berufes für eine Generation von Digital Natives, die mit digitalen Strukturen aufgewachsen ist.

Sascha Platen verbindet damit eine klare Hoffnung: „Wenn das gelingt, träume ich von Pflegeeinrichtungen, in denen Fachkräfte in Zukunft morgens motiviert zur Arbeit kommen – und abends sagen können: Heute war ich nicht überlastet.“

 

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