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6 Minuten Lesezeit

Zuwendung statt Zeitnot: Wege aus der Versorgungskrise

Zeit wird zur knappsten Ressource in Pflege und Sozialwesen. Digitale Lösungen können Fachkräfte dort entlasten, wo administrative Prozesse wertvolle Arbeitszeit binden, damit mehr Zeit für die persönliche Betreuung von Klientinnen und Klienten bleibt.

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myneva

Veröffentlicht: 18.08.2026
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeitmangel wird zum Qualitätsrisiko: Immer weniger Fachkräfte versorgen immer mehr Menschen. Fehlt Zeit für persönliche Betreuung, wirkt sich das auf die Versorgungsqualität und die Motivation von Fachkräften aus.  

  • Administrative Prozesse binden wertvolle Arbeitszeit: Dokumentation, Informationssuche und aufwendige Abstimmungen nehmen Zeit in Anspruch, die für Klientinnen und Klienten fehlt.  

  • Digitale Lösungen schaffen spürbare Entlastung: Vernetzte Systeme und automatisierte Prozesse reduzieren Verwaltungsaufwand und geben Fachkräften Zeit für ihre eigentliche Versorgung zurück. 

Die Zukunft der Betreuung: Wer versorgt uns morgen?

In Pflege und Sozialwesen wird Zeit zur knappsten Ressource. Prognosen zufolge könnten bis 2030 in Europa rund vier Millionen Fachkräfte im Gesundheitswesen fehlen¹ . Durch den demografischen Wandel wächst gleichzeitig die Zahl der Menschen, die auf Pflege, Betreuung und Unterstützung angewiesen sind. Das Resultat: Immer weniger Mitarbeitende müssen immer mehr Menschen versorgen, während die Anforderungen an Dokumentation und Verwaltung weiter steigen. 

Damit stellt sich nicht nur die Frage, wer uns zukünftig versorgen wird. Es stellt sich auch die Frage, wie eine Versorgung aussehen kann, die von menschlicher Nähe, persönlichen Gesprächen und individueller Zuwendung lebt. Überall dort, wo die Zeit für persönliche Betreuung und Beziehung fehlt, wird Zeitnot zum Qualitätsrisiko. 

Was es deshalb braucht, sind nicht nur zusätzliche Fachkräfte, sondern auch Strukturen, die vorhandene Mitarbeitende konsequent entlasten. Gelingt es nicht, Prozesse zu vereinfachen, sinnvoll zu digitalisieren und effizienter zu gestalten, droht eine strukturelle Überlastung des Systems, die mit zusätzlichem Personal allein kaum noch aufzufangen ist.

 

Die größten Zeitverluste in der Versorgung 

Der Fachkräftemangel ist nicht der einzige Grund für die wachsende Zeitnot. Auch komplizierte Abläufe, nicht miteinander verbundene Systeme und wiederkehrende administrative Aufgaben binden täglich wertvolle Ressourcen. 

Besonders viel Zeit entfällt auf: 

  • Dokumentation und Verwaltung: Leistungen, Beobachtungen und Veränderungen müssen umfassend erfasst werden. Erfolgt dies zunächst manuell und erst später am PC, entstehen zusätzlicher Aufwand und eine hohe Fehleranfälligkeit.  

  • Aufwendige Kommunikation: Telefonische Rückfragen, unklare Zuständigkeiten und fehlende zentrale Kommunikationswege erschweren die Abstimmung zwischen Teams, Angehörigen und weiteren Beteiligten.  

  • Zeitaufwendige Informationssuche: Sind Daten über verschiedene Systeme und Kommunikationskanäle verteilt, müssen Fachkräfte relevante Informationen mühsam zusammentragen. Das führt zu Unterbrechungen, Rückfragen und Verzögerungen.  

  • Komplexe Planung und Koordination: Kurzfristige Ausfälle und Dienstplanänderungen führen zu zeitaufwendigen Abstimmungen und einer manuellen Neuorganisation von Aufgaben, Terminen und Touren.  

  • Aufwendige Aufnahmeprozesse: Informationen müssen häufig über mehrere Beteiligte, Formulare und Systeme hinweg zusammengetragen werden. Das kostet Zeit und verzögert den gesamten Aufnahmeprozess. 

Missed Care: Wenn keine Zeit für die Versorgung bleibt

Fehlende Zeit ist mehr als ein organisatorisches Problem. Sie verändert die Qualität der Versorgung. Müssen Fachkräfte permanent priorisieren, bleibt weniger Raum für persönliche Zuwendung. Veränderungen werden später erkannt und die Versorgung richtet sich zunehmend nach dem Takt des Arbeitsalltags statt nach den Bedürfnissen der Menschen. 

Die Forschung spricht in diesem Zusammenhang von „Missed Care“. Gemeint sind notwendige Pflege- und Betreuungsleistungen, die aus Zeit- oder Personalmangel verspätet, verkürzt oder gar nicht erbracht werden. In der Altenpflege betrifft das besonders häufig die Mobilisation, die Unterstützung bei Mahlzeiten und die Körperpflege. Bleibt dafür zu wenig Zeit sinkt die Zufriedenheit der Klientinnen und Klienten². Bleibt dafür zu wenig Zeit sinkt die Zufriedenheit der Klientinnen und Klienten. 

Für Fachkräfte bedeutet ständiger Zeitmangel nicht nur mehr Stress. Es geht auch jene Zeit verloren, für die viele ihren Beruf gewählt haben: die Arbeit mit Menschen. Können sie ihrem professionellen Anspruch dauerhaft nicht gerecht werden, wachsen Frustration und Unzufriedenheit. Die Folgen reichen von einer Reduzierung der Arbeitszeit bis zum vollständigen Ausstieg aus dem Beruf: Laut der myneva Trendstudie Pflege & Soziales 2025 nennt jede fünfte befragte Fachkraft fehlende Zeit für die eigentliche Betreuung als möglichen Grund, den Pflege- und Sozialsektor zu verlassen. 

 

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Mehr Zeit durch digitale Entlastung  

Damit Fachkräfte im Alltag spürbar entlastet werden, braucht es digitale Lösungen, die Prozesse effizienter gestalten. Dadurch reduzieren sich manuelle Arbeitsschritte und Verwaltungsaufwand – und es bleibt mehr Zeit für die persönliche Betreuung von Klientinnen und Klienten.

Fünf Hebel für mehr Zeit in Pflege und Betreuung:

  • Dokumentation per Spracheingabe: Mobile Anwendungen und KI-gestützte Spracheingabe ermöglichen die Dokumentation unmittelbar am Ort der Versorgung, ohne nachträgliche Übertragung.
  • Aufnahmeprozesse digital steuern: Zentrale Anfragen, digitale Formulare und automatisierte Abläufe reduzieren manuelle Arbeitsschritte und beschleunigen die Aufnahme neuer Klientinnen und Klienten.
  • Informationen zentral verfügbar machen: Vernetzte Systeme verhindern doppelte Eingaben und stellen sicher, dass aktuelle Daten jederzeit verfügbar sind.
  • Planung in Echtzeit: Transparente Aufgaben, Termine und Kapazitäten erleichtern die Koordination und ermöglichen schnelle Anpassungen bei Ausfällen.
  • Daten automatisiert auswerten: Automatisierte Berichte und aktuelle Kennzahlen reduzieren den manuellen Aufwand. Gleichzeitig lassen sich Abweichungen früher erkennen und Entscheidungen schneller treffen.


Fazit:
Mehr Zeit für eine zukunftsfähige Versorgung

Der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten. Wie stark er Pflege und Sozialwesen belastet, können wir jedoch beeinflussen. Wenn der Versorgungsbedarf steigt und gleichzeitig Personal fehlt, werden digitale Strukturen zur Voraussetzung für eine verlässliche Versorgung. 

Richtig genutzt, setzen digitale Lösungen dort an, wo heute besonders viel Zeit verloren geht: bei der Dokumentation und in administrativen Abläufen. Durch die Automatisierung von Prozessen entsteht wertvolle Zeit, die wieder für die persönliche Betreuung von Menschen genutzt werden kann. 

Fachkräften Zeit zurückzugeben, ist deshalb weit mehr als ein Effizienzgewinn. Es ist eine zentrale Voraussetzung dafür, auch unter wachsender Belastung eine qualitativ hochwertige und menschliche Versorgung zu ermöglichen – und damit die Zukunftsfähigkeit von Pflege und Sozialwesen zu sichern. 

Melden Sie sich jetzt zum European Care Summit an und erfahren Sie in praxisnahen Vorträgen und interaktiven Sessions, wie Sie Fachkräfte spürbar entlasten und mehr Zeit für eine hochwertige Versorgung schaffen. 

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Quellen: 

 ¹ Europäische Kommission / WHO, Antwort auf parlamentarische Anfrage, 2024​

 ² Missed Nursing Care in Nursing Homes and Causes: A Systematic Review, National Library of Medicine,        2026

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