HeroImage_1000x1000 (2)
5 Minuten Lesezeit

Zeitgewinn ohne Entlastung? Wo die Digitalisierung in Pflege und Sozialwesen in der Schweiz steht

Digitale Lösungen sparen bereits Zeit, doch die Entlastung kommt im Arbeitsalltag nicht automatisch an. Die Trendstudie Pflege & Soziales 2026 zeigt, wo die Schweiz steht – und was es braucht, damit der Zeitgewinn in der persönlichen Versorgung ankommt.

Mask group (4)

myneva

Veröffentlicht: 24.09.2026
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeitgewinn führt nicht automatisch zu Entlastung: Digitale Lösungen sparen Zeit, doch zusätzliche Aufgaben und steigende Anforderungen binden die gewonnenen Kapazitäten häufig unmittelbar wieder.
  • Der Dokumentationsaufwand bleibt hoch: Besonders in der Eingliederungshilfe binden Dokumentation und administrative Aufgaben viel Zeit.
  • Digitale Lösungen prägen zentrale Arbeitsabläufe: Digitale Dienstplanung ist in der Schweiz europaweit am häufigsten im Einsatz, in der ambulanten Versorgung dokumentiert eine deutliche Mehrheit digital und in der Eingliederungshilfe nutzt jede zweite befragte Fachkraft KI.

Der Druck auf Pflege und Sozialwesen wächst: Während die Nachfrage nach hochwertiger, personenzentrierter Versorgung steigt, belasten Fachkräftemangel, administrative Anforderungen und komplexere Versorgungsbedarfe den Arbeitsalltag. Gleichzeitig ist die Digitalisierung in der Versorgung angekommen. Sie soll dort entlasten, wo manuelle Abläufe, aufwendige Dokumentation und wiederkehrende Aufgaben Zeit binden.

Digitalisierte Prozesse allein führen jedoch nicht automatisch zu spürbarer Entlastung. Häufig wird die eingesparte Zeit unmittelbar von neuen Aufgaben beansprucht. Die Trendstudie Pflege & Soziales 2026 untersucht, wo Organisationen bei der Digitalisierung stehen, in welchen Bereichen digitale Lösungen bereits Zeit sparen und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sie zu einer höheren Versorgungsqualität, mehr Sicherheit und mehr Zeit für Menschen beitragen.

Für die Studie befragte das unabhängige Meinungsforschungsinstitut Civey 3.525 Fachkräfte in sieben europäischen Ländern, darunter 206 Befragte in der Schweiz.

Zeitgewinn führt nicht automatisch zu freien Kapazitäten

Digitale Lösungen schaffen Freiräume, im Arbeitsalltag führen diese jedoch nicht automatisch zu mehr Zeit für die Versorgung. 83,7 % der Befragten in der Schweiz berichten, dass die eingesparte Zeit unmittelbar von anderen Aufgaben beansprucht wird.

47,3 % der Befragten in der Schweiz nutzen die gewonnene Zeit für eine bessere Dokumentation – mehr als in jedem anderen untersuchten Land. Die freiwerdenden Kapazitäten tragen damit zu einer besseren Dokumentation bei, kommen jedoch nicht automatisch in der direkten Versorgung an.

Dokumentation bindet besonders viel Zeit

Dokumentation und administrative Aufgaben beanspruchen in der Schweiz besonders viel Zeit: 17,5 % der Befragten wenden dafür täglich mehr als 90 Minuten auf – mehr als in jedem anderen untersuchten Land.

In der Eingliederungshilfe ist der Aufwand noch höher. Dort verbringen 35,7 % der Befragten mehr als 90 Minuten mit administrativen Aufgaben. Digitale, gut integrierte Prozesse können den Dokumentationsaufwand reduzieren und mehr Zeit für die direkte Versorgung schaffen.

Digitale Dienstplanung häufig im Einsatz

Digitale Dienst- und Personaleinsatzplanung kommt in der Schweiz häufiger zum Einsatz als in den anderen untersuchten Ländern. 57,6 % der Befragten arbeiten mit einer entsprechenden Software.

Damit plant mehr als die Hälfte bereits digital. Gleichzeitig arbeiten über 40 % weiterhin ohne digitale Lösung. Gerade in grösseren Organisationen können gut integrierte Systeme den organisatorischen Aufwand reduzieren und die Koordination im Arbeitsalltag spürbar erleichtern.

Sie möchten es genauer wissen?

Laden Sie sich jetzt kostenlos unsere Trendstudie Pflege & Soziales 2026 herunter – mit exklusiven Einblicken aus sieben europäischen Ländern!

Jetzt kostenlos herunterladen

Ambulante Versorgung dokumentiert häufig digital

In der ambulanten Versorgung nutzen 71 % der Befragten eine digitale Dokumentationssoftware. Damit gehört die Schweiz auch in diesem Bereich zu den Ländern mit einer vergleichsweise hohen Nutzung.

Auch der Beitrag mobiler Dokumentation im Versorgungsalltag wird positiv bewertet: 18,2 % geben an, dass die Dokumentation über mobile Endgeräte in sehr hohem Masse zur Qualität der Dokumentation beiträgt.

Digitale und mobile Arbeitsabläufe können Fachkräfte damit besonders dort unterstützen, wo Versorgung an wechselnden Einsatzorten stattfindet.

Jede zweite Fachkraft in der Eingliederungshilfe nutzt KI

In der Schweizer Eingliederungshilfe arbeiten 50 % der Befragten bereits mit KI-gestützten Systemen. Damit erreicht der Versorgungsbereich einen der höchsten Werte aller untersuchten Länder und Arbeitsfelder.

Gleichzeitig ist dort der Dokumentationsaufwand besonders hoch: 35,7 % wenden täglich mehr als 90 Minuten für Dokumentation und administrative Aufgaben auf. Der nächste Schritt besteht deshalb nicht allein in einer breiteren KI-Nutzung, sondern darin, den Einsatz in spürbare Entlastung bei der Dokumentation zu übersetzen.

Fazit: Aus Zeitgewinn muss Entlastung werden

Die Trendstudie macht deutlich: Digitale Lösungen werden in der Schweiz bereits in vielen Bereichen genutzt. Bei der Dienstplanung liegt die Schweiz im europäischen Vergleich vorn, in der ambulanten Versorgung dokumentiert eine deutliche Mehrheit digital und in der Eingliederungshilfe arbeitet jede zweite befragte Fachkraft mit KI-gestützten Systemen. Gleichzeitig bleibt der Dokumentationsaufwand hoch, und die gewonnene Zeit kommt nicht automatisch in der direkten Versorgung an.

Was es daher jetzt braucht, ist nicht einfach mehr Digitalisierung. Gefragt sind vernetzte Lösungen, die Dokumentation, Dienstplanung und Informationszugang sinnvoll miteinander verbinden. Mobile Anwendungen und intelligente Assistenten können administrative Aufgaben erleichtern und komplexe Arbeitsabläufe vereinfachen.

Nur so kann Digitalisierung leisten, was Pflege und Sozialwesen dringend brauchen: nachhaltige Entlastung für die Fachkräfte und mehr Zeit für die Menschen, die auf ihre Unterstützung angewiesen sind.

 Lesen Sie die vollständige Trendstudie 2026 – mit Einblicken aus sieben europäischen Ländern.  

Jetzt kostenlos herunterladen

Teilen Sie diesen Artikel!

Sie möchten über alle Neuigkeiten informiert bleiben?

Dann melden Sie sich jetzt an für unseren Newsletter

Wir schicken Ihnen regelmässig relevante Informationen über Entwicklungen, die die myneva-Welt bewegen.