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Von Digitalisierung zu Transformation: Nachhaltige Entlastung im Schweizer Sozialwesen

Die Digitalisierung im Sozialwesen schreitet weiter voran. Gleichzeitig stehen viele Einrichtungen vor der Herausforderung, Prozesse effizienter zu gestalten und Systeme besser zu vernetzen. Worauf es jetzt für eine nachhaltige digitale Transformation ankommt, erklärt Renato Wyss, Country Leader Schweiz bei der myneva Group, im Gespräch.

Vanessa Gerdung

Veröffentlicht: 20.05.2026
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Digitalisierung allein schafft keine Entlastung: Viele Einrichtungen nutzen bereits digitale Lösungen, kämpfen im Alltag jedoch weiterhin mit Medienbrüchen, manuellen Prozessen und doppelter Datenerfassung.

  • Digitale Transformation geht über einzelne Tools hinaus: Entscheidend ist nicht nur die Digitalisierung einzelner Abläufe, sondern das Zusammenspiel von Prozessen, Daten und Systemen.

  • Mitarbeitende bleiben der wichtigste Erfolgsfaktor: Nachhaltige Transformation gelingt nur, wenn Mitarbeitende frühzeitig eingebunden und Veränderungen aktiv begleitet werden.

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Über unseren Experten  

Renato Wyss ist Country Leader Schweiz bei der myneva Group. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der ERP- und Softwarebranche und begleitet Organisationen im Schweizer Sozial- und Gesundheitswesen bei der Weiterentwicklung ihrer digitalen Systemlandschaften. In seiner Rolle verbindet er Marktverständnis, Kundennähe und praktische Erfahrung in der Einführung digitaler Lösungen.

 

Wo stehen Einrichtungen in der Schweiz heute und wo bestehen die grössten Herausforderungen?

Viele soziale Einrichtungen in der Schweiz haben in den vergangenen Jahren stark in digitale Lösungen investiert. Trotzdem erleben Mitarbeitende im Alltag häufig weiterhin hohe administrative Belastung, doppelte Datenerfassung und ineffiziente Prozesse. Unsere myneva Trendstudie Pflege & Soziales 2025 zeigt, dass Schweizer Einrichtungen bei mobilen Arbeitsumgebungen, digitaler Schichtplanung und mobilen Applikationen über dem europäischen Durchschnitt liegen.

Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis ein anderes Bild: Digitalisierung führt nicht automatisch zu Entlastung. Viele Einrichtungen haben in den letzten Jahren digitale Lösungen eingeführt, erleben im Alltag aber weiterhin manuelle Zwischenschritte, Medienbrüche und doppelte Datenerfassung.

Der Grund liegt häufig nicht in der einzelnen Software, sondern in der fehlenden Gesamtarchitektur. Systeme wurden über Jahre ergänzt, Prozesse aber nicht konsequent neu gedacht. Dadurch entstehen fragmentierte Systemlandschaften, die Mitarbeitende eher zusätzlich belasten, statt sie zu entlasten. Genau hier beginnt digitale Transformation: nicht beim nächsten Tool, sondern bei der Frage, wie Arbeit, Prozesse, Datenflüsse und Systeme sinnvoll zusammenspielen.

 

 „Nicht jede digitale Lösung schafft Entlastung. Entscheidend ist, ob Prozesse, Systeme und Menschen zusammenpassen.“ 

Renato Wyss 

Was ist der Unterschied zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation? 

Digitalisierung und digitale Transformation werden in der Praxis häufig gleichgesetzt, beschreiben jedoch unterschiedliche Ebenen. Digitalisierung bedeutet, bestehende Prozesse durch digitale Lösungen zu unterstützen oder zu ersetzen. Analoge Abläufe werden dabei in digitale Systeme überführt, etwa wenn Dokumentation, Abrechnung oder Planung softwaregestützt erfolgen. Digitale Transformation geht einen entscheidenden Schritt weiter. Sie beschränkt sich nicht auf einzelne Prozesse, sondern betrachtet Organisationen ganzheitlich. Ziel ist es, Abläufe, Strukturen und Zusammenarbeit so zu verändern, dass digitale Technologien ihr volles Potenzial entfalten können.

Gerade mit dem zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) wird deutlich, dass reine Digitalisierung nicht mehr ausreicht. Organisationen müssen in der Lage sein, Prozesse, Daten und Technologien flexibel weiterzuentwickeln und sinnvoll miteinander zu verbinden. Digitale Transformation ist deshalb auch eine Führungsaufgabe. Sie verlangt klare Verantwortlichkeiten, Priorisierung und die Bereitschaft, bestehende Abläufe kritisch zu hinterfragen.

 

 „Digitale Transformation kann Pflege entlasten - schlecht umgesetzt kann sie jedoch genau das Gegenteil bewirken.“ 

Renato Wyss 

Wie können Einrichtungen in der Schweiz digitale Transformation erfolgreich umsetzen?

Der erste Schritt ist Klarheit über den eigenen Ausgangspunkt. Einrichtungen müssen wissen, welche Prozesse heute gut funktionieren, wo Reibungsverluste entstehen und an welchen Stellen Mitarbeitende durch manuelle Arbeit, doppelte Erfassung oder Medienbrüche belastet werden. Darauf aufbauend braucht es eine klare strategische Zielsetzung. „Wir wollen digitaler werden“ reicht nicht aus. Ein wirksames Ziel wäre zum Beispiel: „Wir wollen den Dokumentationsaufwand pro Schicht um 20 Prozent reduzieren.“ Solche Ziele machen sichtbar, ob Digitalisierung tatsächlich Wirkung entfaltet.

Danach müssen Prozesse ganzheitlich betrachtet werden. Es geht nicht darum, bestehende Abläufe eins zu eins digital abzubilden. Vielmehr sollten Einrichtungen prüfen, wo Daten entstehen, wie sie weiterverarbeitet werden, wer sie nutzt und welche manuellen Zwischenschritte heute vermeidbar wären. Mit KI wird dieser Punkt noch wichtiger. KI kann nur dann sinnvoll unterstützen, wenn Daten strukturiert, verfügbar und in die richtigen Prozesse eingebettet sind. Schlechte Prozesse werden durch KI nicht automatisch besser. Im Gegenteil: Sie werden häufig nur schneller sichtbar. Gleichzeitig ist die Zukunftsfähigkeit der eingesetzten Lösungen entscheidend. Systeme müssen integrierbar, anpassungsfähig und erweiterbar sein. Gerade im Hinblick auf KI wird diese Fähigkeit immer wichtiger, weil neue Technologien nur dann Nutzen stiften, wenn Daten, Prozesse und Systemarchitektur zusammenspielen.

Der wichtigste Erfolgsfaktor bleibt jedoch die Einbindung der Mitarbeitenden. Digitale Transformation darf nicht als reines IT-Projekt verstanden werden. Wer später mit den Lösungen arbeitet, muss früh einbezogen, geschult und begleitet werden. Sonst entsteht Ablehnung, selbst wenn die Technologie objektiv sinnvoll ist. Die Umsetzung sollte schrittweise erfolgen. Nicht alles muss gleichzeitig verändert werden. Entscheidend ist, dort zu beginnen, wo der grösste operative Nutzen entsteht, und diesen Schritt für Schritt in eine integrierte Systemlandschaft einzubetten.

Wie unterstützt myneva Einrichtungen als strategischer Digitalisierungspartner?

Anbieter wie myneva können dort unterstützen, wo Technologie, Prozesse und Praxis zusammenkommen müssen. Einrichtungen brauchen Systeme, die nicht isoliert nebeneinanderstehen, sondern ineinandergreifen und nahtlos zusammenspielen. Wenn das nicht gelingt, entstehen komplexe Strukturen mit vielen Schnittstellen, Medienbrüchen und zusätzlichem Aufwand im Arbeitsalltag. Deshalb verfolgt myneva eine Plattformstrategie. Unser Ziel ist es, Insellösungen zu vermeiden und Einrichtungen eine integrierte Systemlandschaft zur Verfügung zu stellen, die schrittweise erweitert werden kann. Gerade im Schweizer Markt ist das wichtig, weil viele Organisationen bereits digitale Systeme nutzen, aber diese nicht immer optimal zusammenspielen.

Technologie allein genügt jedoch nicht aus. Entscheidend ist, Einrichtungen auch in der praktischen Umsetzung zu begleiten. Die Consultants von myneva in der Schweiz kennen sowohl die Pflegepraxis als auch die technologische Seite. Sie verstehen die Anforderungen der Einrichtungen, kennen typische Vorbehalte gegenüber neuen Lösungen und helfen dabei, digitale Lösungen sinnvoll in den Alltag zu integrieren.

Am Ende funktioniert digitale Transformation nur, wenn Führung, Mitarbeitende und Technologie auf dasselbe Ziel ausgerichtet sind. Technologie kann dabei viel ermöglichen – echter Fortschritt entsteht jedoch erst dann, wenn Menschen in Veränderungsprozesse aktiv eingebunden werden.

Für mich gilt deshalb ein zentraler Grundsatz: “Macht Betroffene zu Beteiligten!”Renato Wyss 

 

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